Startschuss mit Tiefgang für den Aufsichtsrat des Jahres in München

Zur richtigen Zeit die große Perspektive: Der erste Board Summit im März in München war mehr, als ein hochkarätiger Austausch von über 100 Aufsichtsräten, Beiräten, Vorständen, Private-Equity-Investoren sowie Familienunternehmer. Es ging um die ernsthafte tiefgehende Auseinandersetzung mit den Grundlagen der Zukunftsfähigkeit unserer Unternehmen. Und um einen neuen Award, der diese Leistungen würdigt.

Es gibt Momente, in denen man nicht erklären muss, warum etwas stattfindet, weil man es unmittelbar spürt, sobald man den Raum betritt. Der Board Summit 2026 war genau so ein Moment, ein Tag, der sich nicht wie ein weiterer Termin im Kalender angefühlt hat, sondern wie die logische Konsequenz einer Entwicklung, die längst eingesetzt hat und deren Dynamik inzwischen kaum noch zu übersehen ist.

Denn die eigentliche Intensität dieses Tages entstand nicht aus der Anzahl der Menschen, sondern aus der spürbaren Ernsthaftigkeit, mit der sie zusammenkamen, aus der Bereitschaft, sich einzubringen, und aus einer gemeinsamen Haltung heraus, die deutlich machte, dass es hier nicht um ein weiteres Format ging, sondern um einen Raum, der gefehlt hat – mit dem Anspruch, einen Rahmen zu schaffen, der über klassische Konferenzformate hinausgeht und stattdessen Dialog ermöglicht, Perspektiven zusammenführt und eine Auseinandersetzung zulässt, die in dieser Form bislang selten stattfindet.

Ein neuer Award für die Impulsgeber in den Unternehmens-Boards

Es hätte wohl keinen besseren Rahmen geben können für den Startschuss der neuen Awards "Aufsichtsrat des Jahres" und "Beirat des Jahres". Hervorgehoben werden mit den neuen Preis künftig herausragende Köpfe in Unternehmensgremien. Denn genau diesen Gremien kommt eine zentrale Bedeutung zu, wenn es um die Grundlagen und die Kultur von Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit unserer Unternehmen geht.

Grundlage ist ein strukturierter Auswahlprozess, der über mehrere Stufen hinweg die tatsächliche Qualität und Wirksamkeit von Gremienarbeit bewertet. Es geht dabei nicht um eine klassische Preisverleihung, sondern um Orientierung, um Vorbilder und um die Frage, was gute Gremienarbeit heute tatsächlich auszeichnet. Initiatoren sind der Innovator des Jahres zusammen mit dem Friedrich Vogel, Gründer der Board Consulting AG und Host des Formats.

Gekürt werden mit den neuen Awards Impulsgeber in den Gremienkategorien "Aufsichtsrat" sowie "Beirat" sowie aufgefächert von DAX-Konzernen, großen Unternehmen, Mittelstand und Startups – sowie einem "Newcomer-Preis" für Personen unter 40 Jahren. Die Bewerbungsphase für die Nominierungen hat begonnen. Im Februar 2027 wird dann die große Publikumsjury des Innovator des Jahres das Wort haben und über die Gewinner abstimmen.

Hier geht es zur Bewerbung

Wenn Netzwerken plötzlich ehrlich wird

Welche Themen und Leistungen, Herausforderungen und Eigenschaften die Gremienarbeit in den Unternehmen ausmachen, dass war beim Board Summit bereits am Vorabend zu spüren. Denn schon die Kitchen Party als Vorabend-Auftakt war kein klassisches Get-together, sondern ein bewusster Bruch mit den gewohnten Mechaniken von Business-Events. Zwischen Küche, Gesprächen und einer Atmosphäre, die Nähe zuließ, entstand ein Austausch, der sich nicht über Titel definiert hat, sondern über Perspektiven.

Board Summit-Initiator Friedrich Vogel im Interview mit Thorsten Giersch, Chefredakteur von Markt und Mittelstand, der das Event moderierte

Man sprach nicht darüber, was man macht, sondern darüber, wo man an Grenzen stößt, wo Entscheidungen schwieriger werden und wo bestehende Strukturen nicht mehr tragen. Genau diese Offenheit hat den Ton gesetzt für den gesamten Summit, weil sie etwas ermöglicht hat, das sich nicht inszenieren lässt: echtes Interesse am Gegenüber.

Wenn sich die Rahmenbedingungen schneller verändern als die eigenen Strukturen

Als Friedrich Vogel den Summit eröffnete, machte es diese Offenheit möglich, auf den Kern zu kommen: Es ging nicht darum, Aufsicht zu beschreiben, sondern darum, sie in ihrer aktuellen Realität ernst zu nehmen. Eine Realität, die geprägt ist von technologischer Beschleunigung, geopolitischen Spannungen, neuen regulatorischen Anforderungen und einer Komplexität, die sich nicht mehr linear ordnen lässt. Genau daraus entstand die zentrale Frage des Tages: Wie bleibt Aufsicht entscheidungsfähig, wenn sich die Rahmenbedingungen schneller verändern als die eigenen Strukturen?

Wie verläuft Innovation? Nils Müller führte in seinem Eröffnungsvortrag in die Strukturen des Unwägbaren

Die Opening Keynote von Nils Müller (Trendforscher und Gründer von trendone) hat diese Dynamik in einen größeren Kontext gesetzt und deutlich gemacht, dass die Herausforderung nicht in einzelnen Trends liegt, sondern in ihrer Gleichzeitigkeit. Technologien, gesellschaftliche Verschiebungen und ökonomische Entwicklungen wirken nicht isoliert, sondern überlagern sich und erzeugen genau dadurch eine neue Qualität von Unsicherheit.

Für Aufsichtsräte bedeutet das eine fundamentale Verschiebung ihrer Rolle. Es geht nicht mehr nur darum, Entwicklungen zu bewerten, sondern darum, sie einzuordnen, Prioritäten zu setzen und Orientierung zu geben, ohne sich auf vermeintliche Sicherheiten verlassen zu können.

In den Panel-Diskussionen gab es nich tnur inhaltliche Tiefe, sondern auch Reibung:  Unterschiedliche Perspektiven trafen direkt aufeinander, wurden hinterfragt und teilweise auch zugespitzt

Was ist der Mensch in Zeiten von KI?

Was in diesem Zusammenhang immer wieder aufkam, war eine Frage, die weit über Technologie hinausgeht: Was macht diese Entwicklung eigentlich mit dem Menschen? Die Diskussion zeigte, dass gerade im Kontext von Künstlicher Intelligenz nicht nur Effizienz und Automatisierung im Vordergrund stehen, sondern die bewusste Auseinandersetzung mit menschlichen Fähigkeiten. Vertrauen, Intuition, Beziehungen und die Fähigkeit zur Kooperation gewinnen an Bedeutung – nicht trotz, sondern gerade wegen technologischer Entwicklung. Die Herausforderung besteht darin, beides miteinander zu verbinden: technologische Leistungsfähigkeit und menschliche Urteilskraft.

In den Panels wurde diese Perspektive weiter vertieft und bewusst nicht geglättet. Im Panel zur Rolle des Aufsichtsrats im Kontext disruptiver Technologien diskutierten Sabine Eckhardt (Multi-Aufsichtsrätin), Nicolas Escherich (Board Advisor & AI Expert), Markus Sontheimer (CIO und Beirat) sowie Fabian Kühne (Investor & Beirat) mit Blick auf Technologie und Transformation darüber, wie Gremien mit Themen umgehen, die sie nicht mehr aus eigener Erfahrung vollständig erfassen können.

Aufsicht ist kein Kontrollorgan mehr, sondern ein Navigationssystem

Ein weiteres Panel mit Uta-Micaela Dürig (Aufsichtsrätin), Raffaela Rein (Multi-Aufsichtsrätin) und Prof. Dr. Peter Ruhwedel (Aufsichtsrat & Board Leadership-Expert) stellte den Aufsichtsrat selbst in den Mittelpunkt und betrachtete ihn als High Performance Team. Im Zentrum stand die Frage, wie Gremien tatsächlich arbeiten, welche Dynamiken sie prägen und warum gerade diese Dynamiken über Wirksamkeit oder Wirkungslosigkeit entscheiden.

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Ein zentrales Thema dieser Diskussionen war die Frage nach der tatsächlichen Wirksamkeit von Gremien und der Fähigkeit, in einer zunehmend komplexen Welt handlungsfähig zu bleiben. Markus Sontheimer, CIO und Beirat, brachte es auf den Punkt: „Entscheidend ist, dass Gremien nicht nur formal besetzt sind, sondern echte Sparringsfähigkeit mitbringen. Gerade aus Sicht eines operativen CIO braucht es im Beirat Menschen, die unterschiedliche Denkweisen einbringen – aus Technologie, Vertrieb und Unternehmensführung. Es geht nicht darum, selbst tief in der Technologie zu stecken, sondern darum, auf Augenhöhe diskutieren zu können. Gleichzeitig braucht es Formate innerhalb des Gremiums, die es ermöglichen, in Themen wie IT oder KI wirklich in die Tiefe zu gehen. Nur so entsteht die Sicherheit, dass ein Unternehmen auch technologisch auf dem richtigen Weg ist.“

In Krisen steht zu häufig Absicherung im Mittelpunkt

Die eigentliche Tiefe des Summits entstand in den Workshops, die mit jeweils rund 75 Minuten bewusst als echte Arbeitsphasen konzipiert waren

Astrid Janke, Ingenieurin und Expertin für Automation, Digitalisierung und Robotics, brachte für dieses Konzept von Zusammenarbeit dabei einen entscheidenden Aspekt ein: „Gute Aufsicht bedeutet, Gestaltung zu ermöglichen. Es geht nicht nur darum, Stabilität zu sichern, sondern darum, die richtigen Fragen zu stellen und den Blick nach vorne zu richten. Gerade in Krisen wird häufig zu stark auf Absicherung geachtet, dabei ist es entscheidend, gleichzeitig eine klare Vorstellung von Zukunft zu entwickeln und den Vorständen die Freiräume zu geben, diese auch umzusetzen.“

Die eigentliche Tiefe des Summits entstand in den Workshops. Im Zentrum stand die gemeinsame Entwicklung eines Skill Radars für den Aufsichtsrat der Zukunft, das nicht als theoretisches Modell gedacht war, sondern als Verdichtung der Fragen, die Gremien heute tatsächlich beschäftigen. Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen deutlich, dass sich die Anforderungen an Aufsicht grundlegend verändern. Themen wie AI Governance, strategische Technologiekompetenz, Szenariofähigkeit, Kapitalallokation unter Unsicherheit, ESG-Integration und Transformationsfähigkeit sind keine Zukunftsthemen mehr, sondern unmittelbare Realität.

Wenn Stabilität keine Strategie mehr ist

Für den Innovator des Jahres in München dabei: Dr. Diana Taubert, Vorsitzende, und Michael Oelmann, Präsident des Nominierungskomitees

Prof. Dr. Henning Vöpel (Direktor des Centrums für Europäische Politik CEP ) griff diesen Gedanken in seiner Closing Keynote auf und beschrieb die Gegenwart als eine Phase, in der sich bestehende Systeme bereits auflösen, während neue noch nicht vollständig entstanden sind. In einer solchen Situation reiche es nicht mehr aus, auf Stabilität zu setzen, weil Stabilität in einer nicht-linearen Welt nicht durch Kontrolle entsteht, sondern durch die Fähigkeit, sich anzupassen, Zusammenhänge zu erkennen und mit Unsicherheit produktiv umzugehen. Organisationen müssen lernen, sich als adaptive Systeme zu verstehen, während Aufsicht die Aufgabe übernimmt, Orientierung zu geben, Perspektiven zu verbinden und Entscheidungen auch unter Unsicherheit zu ermöglichen.

Der Board Summit wird genau deshalb weitergeführt und ist bereits für den 12. März 2027 terminiert. Ergänzt wird der Summit dann durch eine Gala, die einen neuen Akzent setzt, wenn erstmals der „Aufsichtsrat & Beirat des Jahres“ ausgezeichnet.

Und vielleicht zeigt sich genau hier die eigentliche Stärke dieses Formats. Es geht nicht nur darum, über die Zukunft von Aufsicht zu sprechen, sondern darum, ihr einen konkreten Rahmen zu geben – einen Rahmen, der Austausch ermöglicht, Perspektiven zusammenführt und sichtbar macht, was gute Gremienarbeit heute leisten kann.

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